Hier sind einige meiner Gedanken, die ich in meiner Zeit als Moslem niederschrieb.

Was ist eigentlich "der Islam"

Der Islam ist ein vollkommen lebensumfassendes System, das Körper, Geist, Gesellschaft und Politik regelt. Dieses System ist von Allah auserwählt und gewünscht, um den Menschen einen Weg hin zu seiner Zufriedenheit zu geben. Das Reich Allahs umfasst das Jeseits und das Diesseits. Im Jenseits wird es durch die Hölle und das Paradis und im diesseits durch den Gottesstaat offenbar.

Im Diesseits nimmt Allah die legislative Gewalt aus den Händen der Menschen und überträgt ihnen die exekutive und die judikative. Der Islam unterwirft alle Menschen unter die gleichen islamischen Gesetze, und entbindet die Menschen von dem recht neue Gesetze einzuführen. Er unterwirft sie alle seinen Gesetzen, womit er nicht nur die Gleichheit aller Muslime vor dem Gesetz garantiert, sondern entzieht gleichzeitig den Menschen die willkürliche Gesetzgebung.

Die Fundamente des Islam

Für einen Muslim ist es unumgänglich ein Fundamentalist im linguistischen Sinne des Wortes zu sein, denn der Moslem ist nur solange Moslem, sprich: der sich Unterwerfende unter die Gesetze Allahs, solange er diese befolgt. Diese sind wiederum unwiderruflich im Koran und in der Sunnah festgeschrieben. Da der Koran und die Sunnah Gesetze für alle Lebenssituationen, sei es Wirtschaftsrecht, Zivilrecht, Innenpolitik, Außenpolitik, Sozialwesen, usw. zum Teil sehr detailliert vorgibt, ist es für einen Muslim der diesen Namen auch verdient hat, sprich: er hat sich vollständig Allahs Gesetzen unterworfen, unabdingbar in eben all diesen Lebenssituationen auf den göttlichen Willen zu schauen, was bedeutet, seine Antwort im Koran und der Sunnah zu finden.

Die zwei Quellen, die die gesamte Lebensführung sowohl im privaten als auch dem gesellschaftlichen Leben regeln, sind der Koran und die Tradition des Propheten, die Sunnah.

Der Koran ist der direkte von Allah wortwörtlich diktierte Text in arabischer Sprache, der in zehn Lesarten offenbart wurde. Der bekannteste Text ist der von Hafs über 'Asim überlieferte Dialekt. Dieser ist auch üblichereise in den Koranausgaben mit deutscher Übersetzung abgedruckt.

Die Sunnah ist das Leben des Propheten Muhammed, das in dem sogenannten Hadith zum Teil auch schon zu seiner Lebzeit schriftlich festgehalten wurde.

Der Koran als Text und die Sunnah als das praktisches Lebenskonzept sind nicht trennbar, da die Sunnah die lebendige Interpretation des Koran ist. In einem Hadith wird überliefert, dass der Charakter des Propheten den vorderungen des Koran entspricht. Andererseits ist im Koran bezeugt, dass der Prophet den Koran lehrt, nicht durch die bloße Weitergabe des Textes, sondern durch sein Vorbild.

Die Koran-Offenbarung war ein lebendiges, auf konkrete Ereignisse in der Islamischen Gemeinde reagierendes Wunder.

Die Koran-Exegese (der Tafsir) der muslimischen Islamgelehrten ist keine Interpretation des Koran, wie häufig fälschlicherweise bezeichnet, da der Tafsir-Autor keine eigenen Ansichten oder Interpretationen liefert um den Koran-Text zu erklären. Die Vorgehensweise des Tafsirs ist die Verknüpfung der Ereignisse aus der Sunnah, die die Ursache zahlreicher Offenbarungen des Koran sind. Der Koran-Text wurde also in der Sunnah des Propheten konkret gelebt . Der Tafsir-Autor verknüpft also auf islamwissenschaftliche Art und Weise die beiden Quellen des Islam, um die Auslegung des Propheten herauszufiltern bzw. um ein lebendiges Beispiel des schriftlichen Koran-Textes herzulösen.

Jede Interpretation des Koran auf einer anderen Basis ist abzulehnen, da der Koran an diversen Stellen ausdrücklich betont, dass jede Auslegung auf Basis eigener Gedanken abzulehnen ist.

Kann man von dem Islam reden oder ist es alles eine "Auslegungssache"?

Relativismus ist ein bestreben, das für Toleranz steht und mit dem man nichts falsch machen kann, weil man sich nicht festlegen muss. Alles ist eben relativ. Da der Islam eine fest definierte Ideologie ist, die neben der äußeren Welt eines Muslim auch sein Inneres regelt und diese Regeln eindeutig festgeschrieben sind, ist es möglich den Islam über eine nüchterne wissenschaftliche Betrachtung der Quellen auf ein einziges Wesen zu reduzieren. Die Schwierigkeit für Muslime in der heutigen Welt besteht im Allgemeinen nicht darin, dieses einzig wahre Wesen zu erkennen, sondern vielmehr dieses in Bezug auf die moderne Welt zu legitimieren und daran festzuhalten, da die islamische Lebensweise in keinster Weise mit der heute vorhandenen vereinbar ist. Da die Muslime jedoch beides zu lieben und zu brauchen scheinen, einerseits den modernen Lebensstil des Westens für den materiellen Genuss, andererseits eine Religion für die spirituelle Sättigung, wird versucht, den Islam in eine passende Form zu gießen. Das Endergebnis ist eine rein mit Spiritualität gefüllte Religion durch die Absorbierung der spirituellen Inhalte des Islam und dem Hinzufügen von Erweiterungen und Abänderungen. Dieses Bestreben der Muslime, den Islam auf Spiritualität zu reduzieren und von politischen und gesellschaftlich-sozialen Elementen zu lösen wird bei den Nicht-Muslimen natürlich gerne gesehen und unterstützt, da so die Religion zu einem "Opium des Volkes" mutiert. Die Aussage: Religion ist "Opium für das Volk" ist aus politischer Sicht sicherlich richtig. Die Führer dieser Welt würden den Islam nur allzugerne auch in diese Kategorie einstufen können und versuchen über die verschiedensten Propagandamittel und durch die Unterstützung der spirituellen Strömungen des Islam, den Islam in seinem politischen Kern zu unterwandern und einen unpolitischen Islam herauszulösen. Diese neue Religion wird den Massen anschließend unter dem "Markennamen" Islam verkauft, und ist letztendlich nichts anderes mehr als "Opium für das Volk". Da der Islam aber eben keine Religion im westlichen Verständnis des Wortes ist, sondern auch eine politische Ideologie ist, kann diese Aussage auf den Islam wie ihn der Prophet Mohammed verkündete nicht zutreffen.

So kommt es dazu, dass die falschen Representanten mit ihren populären aber faktisch falschen Überzeugungen als authentisch gelten. Die richtigen Representanten mit - für die moderne Welt - unpopulären aber faktisch authentischen Überzeugungen werden in den Massenmedien als unislamisch propagiert. Die Muslime, die vom Westen gelobt werden, werden häufig auf Grund ihrer westlichen Einstellung gelobt, die allerdings häufig diametral zum Islam steht und somit unislamisch ist. So tritt das Phänomen der verdrehten Welt auf.

Neuerungen

Jede Form von Hinzufügen, Weglassen oder Modifizieren des Islam ist eine Neuerung. Jede Neuerung ist eine Häresie die ins Höllenfeuer führt. Dies ist eine festgeschriebene Tatsache im Koran und in der Sunnah.

In der Begrüßungsformel, mit der ein Redner seine Rede einleitet, zitiert er einen Ausspruch des Propheten, in dem es heißt: "jede Neuerung ist eine Erfindung in der Religion, die nicht zu ihr gehört" und die in die Irre führt (weg von der Religion). Diese Irreführung führt schließlich ins Höllenfeuer.

Fortschritt und Weiterentwicklung sind Schlagwörter, die Bestandteil eines jeden Systems sein müssen um in der westlichen Gesellschaft geschätzt zu werden. Alle Systeme, die diese Elemente nicht in sich tragen, sind unmodern, unzivilisiert. Obwohl die Muslime diesen Kompromiss, wie durch die Quellen bewiesen, nicht eingehen dürfen, versuchen es doch einige sogenannte "moderne Muslime", Neuerungen oder Reformen einzuführen, um nicht als rückständig zu gelten und um dem Westen ein Bild von einem der modernen Welt angepassten Islam zu verkaufen. Jede Neuerung, die eingeführt wird, um sich eben dieser modernen Welt unterzuordnen bzw. anzupassen, ist nichts anderes als ein Handel, der wie folgt beschrieben werden kann: Die Muslime erkaufen sich einen Teil der schönen neuen Welt und bezahlen mit ihrer Religion. Denn eins muss klar sein: ein mit Neuerungen durchsetzter Islam ist kein moderner Islam. Vielmehr hat er den Namen Islam nicht verdient, denn man kann nicht mehr von der Unterwerfung unter Allahs absoluten Gesetzen sprechen. Die Fundamente eines "modernen Islam", der schon in sich einen Widerspruch darstellt, sind menschliche Bedürfnisse, nicht der Koran und die Sunnah. Folglich wurde eine neue Religion geschaffen, die islamisch geprägt ist.

Es kann also niemals einen Islam mit fremden Elementen geben, sondern nur eine neue Religion mit islamischen Elementen. Einen Euro-Islam kann und wird es also niemals geben, im Gegensatz zu einem Islam, der einfach in Europa gelebt wird.